KI-Kennzeichnungspflicht: Was seit dem 2. August 2026 gilt
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Text und Bilder dieses Beitrags wurden mithilfe von KI-Systemen erzeugt. Gekennzeichnet nach Art. 50 Abs. 4 der EU-KI-Verordnung (AI Act). Verantwortlich für die Veröffentlichung: ArkeonTech.
- EU AI Act
- Compliance
- Kennzeichnungspflicht
- Chatbot
- KMU
Seit dem 2. August 2026 muss jedes Unternehmen offenlegen, wenn Kunden mit einer künstlichen Intelligenz sprechen oder schreiben. Die Pflicht steht in Artikel 50 des EU AI Act, sie gilt unabhängig von der Unternehmensgröße, und sie ist die erste Regel dieser Verordnung, die den normalen Mittelstand unmittelbar im Tagesgeschäft trifft. Wer einen Chatbot auf der Website hat, einen Telefonassistenten einsetzt oder Kundenanfragen per KI beantworten lässt, ist betroffen.
Das Wichtigste in Kürze: Artikel 50 EU AI Act ist seit dem 2. August 2026 anwendbar. Wer einen Chatbot, Voice-Bot oder KI-Assistenten im Kundenkontakt einsetzt, muss beim ersten Kontakt klar erkennbar machen, dass die Antwort von einer Maschine stammt. Ein Hinweis nur in AGB, Impressum oder Datenschutzerklärung genügt nach den Leitlinien der EU-Kommission vom 20. Juli 2026 nicht. Das gilt auch für Systeme, die vor dem Stichtag schon liefen; die einzige Übergangsfrist bis zum 2. Dezember 2026 betrifft die maschinenlesbare Markierung generierter Inhalte nach Absatz 2. Verstöße können mit bis zu 15 Millionen Euro oder 3 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes geahndet werden.
Was gilt seit dem 2. August 2026?
Die Transparenzpflichten aus Artikel 50 sind seit diesem Datum verbindlich. Der Kern in einem Satz: Menschen müssen wissen, dass sie es mit einer KI zu tun haben, und zwar bevor sie etwas preisgeben, das sie einem Menschen vielleicht anders erzählt hätten.
Die Verordnung unterscheidet vier Fälle:
| Fall | Wer ist verpflichtet | Was verlangt wird |
|---|---|---|
| KI-Systeme für direkte Interaktion (Chatbot, Voice-Bot) | Anbieter | Offenlegung, dass es sich um KI handelt, sofern nicht offensichtlich |
| Systeme, die Inhalte erzeugen (Text, Bild, Audio, Video) | Anbieter | Maschinenlesbare Markierung der Ausgabe |
| Emotionserkennung, biometrische Kategorisierung | Betreiber | Information der betroffenen Personen |
| Deepfakes und KI-Texte zu Themen öffentlichen Interesses | Betreiber | Sichtbare Offenlegung |
Für den typischen Mittelständler ist Zeile eins der praktisch relevante Fall. Zeile zwei betrifft die Anbieter von Systemen, die Texte, Bilder, Ton oder Video erzeugen, unabhängig davon, ob die Inhalte veröffentlicht werden.
Wichtig ist der Zeitpunkt: Die Information muss spätestens bei der ersten Interaktion vorliegen, klar und deutlich erkennbar. Ein Hinweis, den man erst nach drei ausgetauschten Nachrichten findet, erfüllt die Pflicht nicht.
Wurde der AI Act nicht verschoben?
Teilweise, aber nicht dieser Teil. Das ist derzeit das häufigste Missverständnis, und es ist ein teures.
Mit dem Digital Omnibus (Verordnung (EU) 2026/1744, in Kraft seit 27. Juli 2026) hat die EU mehrere Fristen des AI Act nach hinten geschoben. Betroffen sind vor allem die Pflichten für Hochrisiko-Systeme: Die Anforderungen aus Anhang III gelten erst ab dem 2. Dezember 2027, die aus Anhang I ab dem 2. August 2028. Diese Verschiebung hat für Schlagzeilen gesorgt und bei vielen den Eindruck hinterlassen, der AI Act sei insgesamt entschärft worden.
Artikel 50 wurde von dieser Verschiebung ausdrücklich ausgenommen. Die Transparenzpflichten gelten seit dem 2. August 2026 wie ursprünglich geplant. Die einzige Übergangsfrist betrifft die maschinenlesbare Kennzeichnung generierter Inhalte nach Artikel 50 Absatz 2: Anbieter von Systemen, die vor dem 2. August 2026 in Verkehr gebracht wurden, haben dafür bis zum 2. Dezember 2026 Zeit. Wer sich auf die Omnibus-Meldungen verlassen hat, ist im Rückstand.
Der Unterschied hat einen sachlichen Grund: Die Hochrisiko-Regeln verlangen aufwendige Konformitätsbewertungen, für die technische Normen noch fehlen. Die Kennzeichnung eines Chatbots dagegen ist in einer Stunde umgesetzt.
Was sagen die Leitlinien der EU-Kommission?
Seit dem 20. Juli 2026 gibt es eine offizielle Auslegungshilfe: Die EU-Kommission hat Leitlinien zu Artikel 50 veröffentlicht (C(2026) 5054). Sie sind nicht verbindlich, das letzte Wort hat der Europäische Gerichtshof, aber sie zeigen, woran die Aufsicht den Einsatz messen wird. Für Unternehmen mit Chatbot oder Telefonassistent stehen darin fünf Klarstellungen:
- Anbieter ist auch, wer bauen lässt. Wer einen Chatbot entwickeln lässt und ihn unter eigenem Namen in Betrieb nimmt, ist Anbieter und muss die Offenlegung sicherstellen. Wer ein fertiges System eines Anbieters unverändert nutzt, ist Betreiber; die Offenlegung muss dann der Anbieter in sein System einbauen.
- Ein Hinweis pro Gespräch genügt meist. Ein deutlicher Hinweis vor der ersten Interaktion reicht nach den Leitlinien in den meisten Fällen. Wiederholte Hinweise hält die Kommission in heiklen Zusammenhängen für voraussichtlich nötig, etwa bei Finanz-, Versicherungs-, Rechts- und Gesundheitsberatung, bei Beschwerden und bei Gesprächen mit Kindern oder älteren Menschen. Fragt jemand nach, muss das System offenlegen, dass es eine KI ist.
- KI-Agenten nennen auch ihren Auftraggeber. Ein Agent, der Termine bucht, Korrespondenz führt oder Bestellungen auslöst, muss sich als KI zu erkennen geben und sagen, in wessen Auftrag er handelt. Bei einer E-Mail, die ein Agent selbst verschickt, geht das etwa mit einem KI-Hinweis ganz oben.
- Nicht erfasst sind Hilfen für Menschen. Formuliert die KI nur einen Vorschlag, den eine Servicekraft prüft und selbst abschickt, liegt keine direkte Interaktion vor. Ebenso fallen automatische Textvervollständigung, Übersetzungswerkzeuge, Spamfilter, klassische Abwesenheitsnotizen und regelbasierte Schnellantworten heraus.
- Die Ausnahme "offensichtlich" ist eng. Ein Chatbot im Kundenservice gilt ausdrücklich nicht als offensichtlich. Erfüllt sein kann sie bei einem internen Assistenten, den geschulte Beschäftigte im Wissen um den KI-Einsatz nutzen.
Ebenso klar benennt die Kommission, was allein nicht ausreicht:
| Reicht | Reicht allein nicht |
|---|---|
| Erste Chatnachricht oder Banner "Sie schreiben mit einer KI" | Hinweis nur in AGB, hinter einem Link oder in der Dokumentation |
| Gesprochener Satz zu Beginn des Telefonats | Ein Signalton ohne Worte |
| Dauerhaft sichtbares KI-Symbol am Eingabefeld zusätzlich zum Text | Unsichtbare Metadaten oder Wasserzeichen |
| KI-Hinweis oben in einer vom Agenten versandten E-Mail | Allgemeiner Satz wie "Dienste auf dieser Website nutzen KI" |
| Nur die Bezeichnung "Assistent" oder ein menschliches Profilbild | |
| Technische Angabe wie "basiert auf einem Sprachmodell" |
Bin ich von der Kennzeichnungspflicht betroffen?
Drei Fragen genügen für eine erste Einschätzung. Ein Ja reicht aus:
- Kommunizieren Kunden, Bewerber oder Lieferanten mit einem System, das Antworten selbst formuliert, statt vorgefertigte Textbausteine auszuspielen?
- Veröffentlicht Ihr Unternehmen Texte, Bilder oder Audioinhalte, die ganz oder überwiegend von einer KI erzeugt wurden?
- Analysiert ein System Stimmen, Gesichter oder Emotionen von Personen?
Nicht betroffen sind klassische Formulare, regelbasierte Menüs ohne generative Komponente und interne Werkzeuge ohne Außenkontakt, sofern keine Beschäftigten getäuscht werden. Ein Kontaktformular bleibt ein Kontaktformular.
Die Größe des Unternehmens spielt keine Rolle. Es gibt keine Bagatellgrenze und keine Ausnahme für Kleinbetriebe.
Für Österreich gilt all das unverändert, denn die KI-Verordnung wirkt dort unmittelbar. Ein Unternehmen in der Schweiz fällt nicht direkt darunter, kann aber über Artikel 2 erfasst sein, sobald sein Chatbot oder Telefonassistent Kunden in der EU bedient. Die Einordnung für beide Länder steht im Beitrag zum EU AI Act für KMU.
Wie muss ein Chatbot gekennzeichnet werden?
Sichtbar, verständlich und im Dialog selbst. Die Kennzeichnung gehört dorthin, wo das Gespräch stattfindet, nicht in ein Rechtsdokument, das niemand öffnet.
Bewährt hat sich ein kurzer Satz als erste Nachricht im Chatfenster. Er sollte zwei Dinge enthalten: die Tatsache, dass hier eine KI antwortet, und den Weg zu einem Menschen.
Ein Beispiel, das beides abdeckt:
Sie schreiben mit einem KI-Assistenten. Er beantwortet Fragen zu Produkten, Preisen und Terminen. Wenn Sie lieber mit einem Menschen sprechen, schreiben Sie einfach "Mitarbeiter" oder rufen Sie uns unter der angegebenen Nummer an.
Was nicht ausreicht:
- ein Satz im Impressum oder in der Datenschutzerklärung
- ein Bot-Name wie "Anna" oder "Max" ohne weiteren Hinweis, weil er eher einen Menschen suggeriert
- ein Hinweis, der erst nach dem Gespräch eingeblendet wird
- eine reine Symbolkennzeichnung, deren Bedeutung sich nicht erschließt
Die Ausnahme "sofern nicht offensichtlich" sollte man nicht überstrapazieren. Sie greift dort, wo ein verständiger Nutzer die Maschine ohnehin erkennt. Bei einem modernen Sprachmodell, das natürliche Sätze formuliert, ist das gerade nicht mehr der Fall. Im Zweifel kennzeichnen.
Was gilt für Voice-Bots am Telefon?
Dieselbe Pflicht, nur mit weniger Platz. Am Telefon gibt es kein Chatfenster, in das man einen Hinweis schreiben kann, also muss die Kennzeichnung gesprochen werden.
Praktisch bedeutet das eine Begrüßung, die den Charakter des Gegenübers direkt klärt, zum Beispiel: "Guten Tag, Sie sprechen mit dem KI-Assistenten der Praxis Muster. Ich kann Termine vereinbaren und Rezepte aufnehmen. Für alles andere verbinde ich Sie mit dem Team." Das Wort KI gehört in den Satz, denn eine bloße Bezeichnung als Assistent werten die Leitlinien der Kommission als unklares Signal.
Vier Punkte, die in der Praxis oft vergessen werden:
- Der Hinweis muss vor der ersten inhaltlichen Frage kommen, nicht danach.
- In längeren Gesprächen, nach einer Unterbrechung oder wenn der Assistent eine neue Aufgabe übernimmt, empfehlen die Leitlinien eine Erinnerung. Ein Signalton kann beim Erkennen helfen, ersetzt den gesprochenen Satz aber nicht.
- Der Weg zum Menschen sollte in jedem Gesprächsabschnitt funktionieren, nicht nur am Anfang.
- Wenn das Gespräch aufgezeichnet oder transkribiert wird, kommt die datenschutzrechtliche Information hinzu. Das ist eine eigene Pflicht aus der DSGVO und ersetzt die KI-Kennzeichnung nicht.
Müssen Unternehmen KI-generierte Texte und Bilder kennzeichnen?
Ja, aber die Pflicht verteilt sich auf zwei Schultern. Anbieter generativer Systeme müssen ihre Ausgaben maschinenlesbar markieren, etwa durch Wasserzeichen oder Metadaten. Diese Pflicht trifft die Hersteller der Modelle und Werkzeuge, nicht den Mittelständler, der damit arbeitet.
Als Betreiber sind Sie dann in der Pflicht, wenn Sie Deepfakes veröffentlichen oder KI-generierte Texte zu Themen von öffentlichem Interesse verbreiten. Ein KI-geschriebener Beitrag über eine politische Debatte fällt darunter, eine automatisch erzeugte Produktbeschreibung im Shop in aller Regel nicht. Die Leitlinien der Kommission ziehen die Grenze mit Beispielen: Werbetexte und Produktbeschreibungen sind nicht erfasst, solange sie keine Aussagen etwa zu Gesundheit, Verbrauchersicherheit oder Nachhaltigkeit enthalten; ein KI-überarbeiteter Geschäftsbericht mit Anlegerinformationen auf der Website eines börsennotierten Unternehmens dagegen schon. Interne Texte, etwa im Intranet, und persönliche Korrespondenz gelten nicht als veröffentlicht.
Für Texte gibt es eine Ausnahme, die vielen Unternehmen offensteht: Die Kennzeichnung entfällt, wenn ein fachkundiger Mensch den Inhalt gründlich geprüft hat, die Fakten eingeschlossen, und eine Person oder Firma die redaktionelle Verantwortung trägt, deren Name und Kontakt leicht auffindbar sind, etwa in den rechtlichen Angaben der Website. Eine Rechtschreibprüfung, ein flüchtiges Abnicken oder eine Redaktionsrichtlinie, die nur auf dem Papier steht, genügen nicht. Wer den Text nach der Freigabe noch einmal inhaltlich von der KI umschreiben lässt, verliert die Ausnahme.
Rückwirkend muss niemand kennzeichnen: Inhalte, die vor dem 2. August 2026 erzeugt und veröffentlicht wurden, bleiben unberührt. Ein Text, der vorher erzeugt, aber erst danach veröffentlicht wird, fällt dagegen unter die Pflicht. Für die sichtbare Kennzeichnung gibt es seit dem 10. Juni 2026 einen freiwilligen Verhaltenskodex, den Kommission und KI-Gremium als geeignetes Mittel zum Nachweis bestätigt haben. Daneben hat die EU einheitliche Symbole veröffentlicht, mit denen Betreiber KI-generierte Inhalte kennzeichnen können.
Für die meisten Unternehmen heißt das: Prüfen Sie, welche Werkzeuge Sie einsetzen und ob deren Ausgaben markiert werden. Und kennzeichnen Sie freiwillig dort, wo Leser sonst getäuscht würden. Das ist ohnehin die bessere Position, wenn die Rechtsprechung die Grenzen später enger zieht.
Bin ich Anbieter oder Betreiber?
Das ist der Fallstrick, an dem die meisten Zuständigkeitsfragen hängen. Grundsätzlich ist Anbieter, wer ein KI-System entwickelt und auf den Markt bringt, Betreiber, wer es einsetzt.
Die Rolle kann jedoch wechseln: Wer ein System entwickeln lässt oder ein fremdes System verändert, etwa mit eigenen Trainingsdaten, und es unter eigenem Namen oder eigener Marke in Betrieb nimmt, wird selbst Anbieter (Artikel 3 Nummer 3) und übernimmt damit die weitergehenden Pflichten. Die Leitlinien der Kommission nennen dafür zwei Beispiele: das Unternehmen, das einen Chatbot im eigenen Haus entwickelt und unter eigenem Namen einsetzt, und das Unternehmen, das ein bestehendes System mit neuen Trainingsdaten verändert. Wer ein fertiges Produkt unverändert nutzt, bleibt nach diesen Beispielen Betreiber. Ein Chatbot, den ein Dienstleister eigens für Sie entwickelt und den Sie als "Ihr persönlicher Berater von Muster GmbH" ausspielen, bringt Sie dagegen in die Anbieterrolle. Bei Hochrisiko-Systemen genügt nach Artikel 25 schon, den eigenen Namen auf ein fremdes System zu setzen.
Deshalb gehören zwei Punkte in jeden Vertrag mit einem KI-Dienstleister: eine klare Zuordnung der Rollen und die schriftliche Zusicherung, dass die Kennzeichnung technisch umgesetzt ist. Welche weiteren Nachweise Sie vom Anbieter verlangen sollten, zeigt der Leitfaden zur Lieferantenbewertung nach AI Act und DSGVO. Wer sich unsicher ist, sollte das anwaltlich prüfen lassen. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung.
Was gilt für Chatbots, die schon laufen?
Für den Hinweis im Dialog gibt es keine Schonfrist: Ein Chatbot oder Telefonassistent, der schon vor dem 2. August 2026 lief, muss sich seitdem genauso zu erkennen geben wie ein neuer. Die einzige Übergangsfrist bis zum 2. Dezember 2026 betrifft die maschinenlesbare Markierung generierter Inhalte nach Artikel 50 Absatz 2, und zwar für Systeme, die vor dem 2. August 2026 in Verkehr gebracht wurden.
Wer einen laufenden Chatbot noch nicht gekennzeichnet hat, holt das deshalb sofort nach. Die sichtbare Kennzeichnung ist kein Entwicklungsprojekt, sondern eine Textänderung von wenigen Minuten.
Was kostet ein Verstoß?
Der Rahmen liegt bei bis zu 15 Millionen Euro oder 3 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes, wobei der höhere Betrag maßgeblich ist. Für kleine und mittlere Unternehmen einschließlich Start-ups sieht die Verordnung eine Milderung vor: Hier gilt jeweils der niedrigere der beiden Werte.
Diese Zahlen sind der gesetzliche Höchstrahmen, nicht der Regelfall. Realistischer als ein Bußgeld ist für die meisten Betriebe ein anderer Schaden: eine Abmahnung durch Wettbewerber, ein Hinweis der Aufsichtsbehörde oder schlicht der Vertrauensverlust, wenn ein Kunde merkt, dass er unwissentlich mit einer Maschine gesprochen hat.
Wie setze ich das in fünf Schritten um?
- Bestandsaufnahme. Listen Sie jedes System auf, das mit Menschen kommuniziert oder Inhalte erzeugt: Website-Chat, Telefonassistent, WhatsApp-Kanal, automatische E-Mail-Antworten, Textgeneratoren im Marketing.
- Rollen klären. Bestimmen Sie für jedes System, ob Sie Anbieter oder Betreiber sind, und holen Sie die Zusicherung des Dienstleisters schriftlich ein.
- Kennzeichnung formulieren. Ein Satz je System, in der Sprache Ihrer Kunden, mit dem Weg zu einem Menschen. Keine Juristensprache.
- Technisch einbauen. Als erste Chatnachricht, als gesprochene Begrüßung, als sichtbarer Hinweis im Interface. Nicht im Impressum.
- Dokumentieren. Halten Sie fest, welches System wie gekennzeichnet ist und seit wann. Das kostet zehn Minuten und ist der Unterschied zwischen "wir haben es umgesetzt" und "wir können es belegen".
Häufige Fragen zur Kennzeichnungspflicht
Reicht ein Hinweis im Impressum oder in der Datenschutzerklärung?
Nein. Artikel 50 verlangt, dass die Information spätestens bei der ersten Interaktion vorliegt und klar erkennbar ist. Ein Rechtsdokument, das der Nutzer aktiv aufrufen müsste, erfüllt das nicht. Die Kennzeichnung gehört in den Dialog selbst, also als erste Chatnachricht oder als gesprochene Begrüßung am Telefon.
Muss ich meinen Chatbot kennzeichnen, wenn offensichtlich ist, dass es ein Bot ist?
Die Verordnung nimmt Fälle aus, in denen der KI-Einsatz für einen verständigen Nutzer offensichtlich ist. Die Leitlinien der EU-Kommission legen diese Ausnahme eng aus und nennen Chatbots im Kundenservice ausdrücklich als Fall, in dem sie nicht greift. Ein Bot-Name wie Anna oder Max verstärkt den gegenteiligen Eindruck. Im Zweifel kennzeichnen.
Gilt die Kennzeichnungspflicht auch für interne KI-Tools?
Artikel 50 schützt alle Menschen, die mit einem System sprechen, auch Beschäftigte. Für einen internen Assistenten, den geschulte Beschäftigte im Wissen um den KI-Einsatz nutzen, sehen die Leitlinien der EU-Kommission die Ausnahme der Offensichtlichkeit aber als erfüllt an. Sobald ein System mit Bewerbern, Lieferanten oder Kunden kommuniziert, gilt die Pflicht. Unabhängig davon können arbeitsrechtliche und mitbestimmungsrechtliche Anforderungen bestehen.
Wer haftet, wenn der Dienstleister die Kennzeichnung vergisst?
Das hängt von der Rollenverteilung ab. Anbieter und Betreiber haben unterschiedliche Pflichten, und wer ein System entwickeln lässt oder ein fremdes System verändert und es unter eigenem Namen einsetzt, wird selbst zum Anbieter. Deshalb sollten die Rollen im Vertrag ausdrücklich zugeordnet und die technische Umsetzung der Kennzeichnung schriftlich zugesichert werden.
Muss ich E-Mails kennzeichnen, die eine KI vorformuliert hat?
Nicht, wenn ein Mensch die Antwort prüft, verantwortet und selbst abschickt: Die Leitlinien der EU-Kommission nehmen KI-Hilfen für Servicekräfte ausdrücklich aus, weil der Empfänger dann nicht direkt mit dem System kommuniziert. Schreibt und versendet dagegen ein KI-Agent selbst, greift die Pflicht; als Beispiel nennen die Leitlinien eine E-Mail mit einem KI-Hinweis ganz oben. Die bloße Möglichkeit, dass jemand eingreifen könnte, ändert daran nichts.
Muss ich Blogartikel und Werbetexte kennzeichnen, die eine KI geschrieben hat?
Werbetexte und Produktbeschreibungen nicht, solange sie keine Aussagen etwa zu Gesundheit, Verbrauchersicherheit oder Nachhaltigkeit enthalten; so sehen es die Leitlinien der EU-Kommission. Ein Fachbeitrag im Blog kann dagegen erfasst sein, wenn er die Öffentlichkeit über eine Angelegenheit von öffentlichem Interesse informiert, etwa über eine Gesetzesänderung. Die Kennzeichnung entfällt, wenn ein fachkundiger Mensch den Inhalt einschließlich der Fakten geprüft hat und eine erkennbare Person oder Firma die redaktionelle Verantwortung trägt. Eine Rechtschreibprüfung reicht dafür nicht.
Was gilt für KI-generierte Bilder auf meiner Website?
Die maschinenlesbare Markierung ist Pflicht des Anbieters, also des Bildgenerators. Als Betreiber müssen Sie sichtbar offenlegen, wenn Sie Deepfakes veröffentlichen. Ein illustratives Beitragsbild fällt in aller Regel nicht darunter. Eine freiwillige Kennzeichnung ist trotzdem sinnvoll, wenn ein Bild sonst für eine echte Aufnahme gehalten würde.
Fazit
Artikel 50 ist die erste Regel des EU AI Act, die kein Compliance-Projekt verlangt, sondern eine Entscheidung: Sagen Sie Ihren Kunden, dass sie mit einer Maschine sprechen. Der Aufwand liegt bei einer Stunde, der Nutzen weit darüber, denn Transparenz an dieser Stelle kostet erfahrungsgemäß keine Conversion. Sie verhindert nur die unangenehme Entdeckung im falschen Moment.
Einen breiteren Überblick über alle Pflichten des AI Act für Mittelständler finden Sie in unserem Beitrag EU AI Act 2026: Was deutsche KMU mit KI-Agenten jetzt wissen müssen. Wie sich die Kennzeichnung in einem produktiv eingesetzten Assistenten lösen lässt, ohne das Gespräch zu stören, zeigt die Seite zum KI-Chatbot.
Dieser Beitrag erschien am 4. August 2026. Am 18. September 2026 kam die Lage in Österreich und der Schweiz hinzu, am 16. Oktober 2026 haben wir die Übergangsfrist berichtigt, und am 18. Oktober 2026 haben wir die Leitlinien der EU-Kommission vom 20. Juli 2026 eingearbeitet. Er ersetzt keine Rechtsberatung. Für die verbindliche Bewertung Ihres Einzelfalls wenden Sie sich bitte an eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt.
Quellen
- Verordnung (EU) 2024/1689 (EU AI Act), Artikel 3 Nummer 3, Artikel 50 und Artikel 99
- Verordnung (EU) 2026/1744 (Digital Omnibus zur KI-Verordnung) - EUR-Lex; Übergangsfrist bis 2. Dezember 2026 nur für Artikel 50 Absatz 2
- Europäische Kommission: Leitlinien zu den Transparenzpflichten nach Artikel 50 KI-Verordnung, C(2026) 5054 vom 20. Juli 2026 - Anbieter und Betreiber, Zeitpunkt und Form der Offenlegung, KI-Agenten, Ausnahme der Offensichtlichkeit, Texte von öffentlichem Interesse und redaktionelle Prüfung, keine rückwirkende Kennzeichnung
- Europäische Kommission: Code of Practice on Transparency of AI-generated Content - endgültiger Kodex vom 10. Juni 2026, von Kommission und KI-Gremium als geeignet bestätigt, daneben die EU-Symbole zur Kennzeichnung
- Europäische Kommission: Transparency obligations under Article 50 of the AI Act - Fragen und Antworten zu den Pflichten ab dem 2. August 2026, darunter die Übergangsfrist für Absatz 2 bis zum 2. Dezember 2026
Über den Autor
Michael Kaiser
Gründer und Inhaber von ArkeonTech, Aalen
Wirtschaftsinformatiker (DHBW Heidenheim) mit einem Bachelor in Business Analytics der Hochschule Aalen, davor mehrere Jahre ERP-Berater im baden-württembergischen Mittelstand. Seit September 2025 führt er ArkeonTech in Aalen.
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